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ACCORDION TRIBE Kino-Dokumentarfilm, CH/A 2004

Buch und Regie: Stefan Schwietert

Akkordeon einmal ganz anders: eine Reise zu den Wurzeln und in das musikalische Universum von fünf eigenwilligen AkkordeonistInnen aus fünf verschiedenen Ländern, auf Tour und vereint im "Accordion Tribe".

CAST
Guy Klucevsek (USA), Lars Hollmer (S), Maria Kalaniemi (SF), Otto Lechner (A), Bratko Bibic (SLOW)

CREW
Buch und Regie
: Stefan Schwietert, Kamera: Wolfgang Lehner, Ton: Dieter Meyer, Schnitt: Stephan Krumbiegel, Tonschnitt: Jürg von Allmen, Mischung: Hans Künzi und Jürg von Allmen


BIO / FILMOGRAPHIE STEFAN SCHWIETERT
* 1961, aufgewachsen in Therwil/Schweiz. 1979 Matura und erste Filme in der Videogenossenschaft Basel. 1981/82 ein Jahr in Brasilien, Arbeit als Regieassistent für TV Globo im Bereich Musikfilm. 1983 Gaststipendium am California Art Institute in San Francisco, Film- und Videoklasse. 1984-90 Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. 1991 Gründung der Produktionsfirma NEAPEL FILM in Therwil. In der Folge Produktion von zwei Kurzfilmen und Stefan Schwieterts Lang-Filmen in internationaler Co-Produktion. Stefan Schwietert lebt und arbeitet heute in Therwil und Berlin.

2004        ACCORDION TRIBE, 35mm, 87 min, Kino-Dokumentarfilm
2003        ALPHORN, Digi Beta, 72 min, Dokumentarfilm
2002        LIEBESLIEDER, Digi-Beta, 59min, TV-Dokumentarfilm
2000        VOYAGE ORIENTAL, Digi-Beta, 55 min, TV-Dokumentarfilm
2000        EL ACORDEON DEL DIABLO, 35mm, 90 min, Kino-Dokumentarfilm
1998        IM WARTERAUM GOTTES, Digi-Beta, 65 min, TV-Dokumentarfilm
1996        A TICKLE IN THE HEART, 35mm, 83 min. Kino-Dokumentarfilm, Prädikat
                "besonders wertvoll" in Deutschland. Artur Brauner Filmpreis 1996, 
                  Bayerischer Filmpreis 1996
1992-95   LOST IN MUSIC, Mitarbeit bei mehreren Folgen der 60 min. Sendung für 
                  ZDF/ARTE
1993        DER SCHATTEN IST LANG, 16mm, 67 min, Kino-Dokumentarfilm
1991        SPRUNG AUS DEN WOLKEN, 16mm, 75 min, Kino-Spielfilm
1988        FUALNI 88, Video, 45 min, Kino-Dokumentarfilm
1987        TAPEZ 36-15 CODE GORBA, 16mm, 14 min, Kurzspielfilm
1986        DAS TOPOLINO PROJEKT, Film/Video, 37 min. Kurzspielfilm


Biographie Guy Klucevsek
Guy Klucevsek wurde 1947 als Sohn slowenischer Einwanderer geboren und wuchs in einer kleinen Kohlenbergwerkstadt in West Pennsylvania auf, einer Hochburg der slowenischamerikanischen Polka-Musik. Mit 14 spielte er bereits mit seiner eigenen Band "The Fascinations“ auf den Tanzveranstaltungen der slowenischen Gemeinde. Guy verliess seine Heimatstadt, um an verschiedenen Musikhochschulen klassisches Akkordeon und Komposition zu studieren. Beeinflusst von den Werken Xenakis, Ligetis, Feldmans und Steve Reichs, beginnt er Ende der 60er Jahre Minimal Music für das Akkordeon zu komponieren. Durch Mitarbeit in John Zorns Cobra Big Band lernt er die Musiker Elliott Sharp, Bill Frisell, Fred Frith, Arto Lindsay und weitere Vertreter der New Yorker Avantgarde kennen. Mit dem Projekt "Polka from the Fringe“ kehrt er zu seinen musikalischen Wurzeln zurück und arrangiert zwei CD‘s mit Polka-Stücken, die er sich von seinen New Yorker Avantgarde- Freunden komponieren lässt. Mit seiner Band "Ain‘t Nothin‚ But A Polka Band“ stellt er die Kollektion auf Konzerten in der ganzen Welt vor. Guy Klucevsek hat mit seinen Kompositionen ein einmaliges Repertoire für Akkordeon geschaffen. Er hat ausserdem über 20 Musiken für Tanzstücke zeitgenössischer amerikanischer Choreographen komponiert. Soloauftritte am Berliner Jazz Festival, New Music America, dem Lincoln Center, Bang on a Can und der Fernsehshow Mr. Rogers‚ Neighbourhood.
Guy: “Ich fühle mich von der Volksmusik angezogen. Ich bin kein Volksmusiker, aber ich liebe sie und arbeite mit ihr. Schon bei der klassischen Musik waren mir immer die Komponisten am liebsten, die ihre Wurzeln in der Folklore ihres Landes hatten: Ich liebe Bartok, Strawinsky, Schostakowitschs Pianopreludien, Janacek. Der Unterschied ist nur, dass die Einflüsse heute von überall kommen. Noch als ich aufwuchs, lebte ich, wie die meisten Menschen damals, recht eingebettet in die Kultur, von der man unmittelbar umgeben war. Das ganze Viertel bestand aus slowenischen Einwanderern. Heute leben in meiner Nachbarschaft ein Ire, ein Puerto-Ricaner, Italiener, etc. Im Radio höre ich Musik aus Madagaskar, Texas und Deutschland. Es gibt heute viele Puristen, die sich für die Bewahrung der Volksmusik einsetzen. So wird zum Beispiel Steven Jordan, einer der besten Akkordeonisten der Welt, angegriffen, weil er nicht mehr die traditionelle Tex-Mex Musik spielt, sondern sich mehr an Rockmusik orientiert und neue Elemente aufnimmt. Aber der Mann ist ständig auf Tournee, und überall lernt er andere Musiker und Musiken kennen. Wer will es ihm da verdenken, dass er sich als Individuum weiterentwickelt? Die Juden und Zigeuner haben das schon immer getan. Ihre Musik hat sich in den neuen Ländern, in die sie kamen, immer verändert, aber es ist trotzdem Zigeuner- oder jüdische Musik geblieben.”

Der Schwede Lars Hollmer (56) braut in seiner Heimatstadt Uppsala seit den 70er Jahren eine imaginäre Welt aus Akkordeonklängen zusammen. Manche Beobachter sehen in ihm einen der genialsten zeitgenössischen Schöpfer neuer Melodielinien. Er hat, mit oft wechselnden, von ihm geleiteten Formationen, eine Vielzahl von Alben produziert - darunter auch jenes des Accordion Tribe - und tourt regelmässig durch Europa, USA und Kanada. Auch ihn verbindet eine langjährige Zusammenarbeit mit Fred Frith.

Biographie Lars Hollmer
Circa 25 Platten und CD’s hat der 1947 in Uppsala geborene Lars Hollmer bisher herausgebracht. Mit seiner letzten, Andertag, gewann er 1999 den schwedischen Grammy für die beste Platte des Jahres. Er war (Mit-)Begründer der schwedischen Formationen Samla Mammas Manna und des internationalen Looping Home Orchesters, dem auch der Engländer Fred Frith angehörte. All seine Musik hat er in seinem eigenem Studio, dem ‚Chicken House’ produziert. Hier komponiert er auch Musiken für Theaterstücke und Filme. Lars Hollmers Musik entzieht sich allen Klassifizierungs- und Einordnungsversuchen. Sie enthält verschiedene nordische Volksmusiken, russische und finnische, aber am besten trifft die Beschreibung, dass sie aus dem Hollmerland kommt, irgendwo zwischen Schweden, dem Pop und zeitgenössischer Musik.
Lars: “Ich habe mir als Kind erst Gitarre, dann Klavier und später Akkordeon beigebracht. Ich bin totaler Autodidakt. Ich hatte nie Stunden auf einem Instrument. Mein Vater starb sehr früh und meine Mutter liess mir genug Raum, dass ich tun konnte, was ich wollte. Das ist sicher der Grund dafür, dass sich meine Musik von Anfang an nirgends einordnen liess. Es ist für mich wichtig, beim Musikmachen etwas von mir zu zeigen. Das braucht Mut zum Risiko, man muss sich mit seiner ganze Persönlichkeit dem Publikum aussetzen. Aber nur so berührt man es. Wenn Musik intellektuell ist, sollte sie wenigstens in Verbindung mit Humor präsentiert werden. Mit einem Blick von aussen auf sich selbst, der auch ein Augenzwinkern erlaubt.”
Der Musik-Journalist Thomas Bodmer nennt ihn den grössten Melodienerfinder unserer Zeit, Fred Frith, der jahrelang in Lars’ Band spielte, sagt über ihn: "Vergleichbar etwa mit Astor Piazzolla, ist Lars Hollmer ein sehr ernsthafter Komponist, der mit den Mitteln einer populären Musiksprache arbeitet und sich seine Begriffe selber zurechtlegt. Wenn Sie seine Melodien hören, werden sie so sehr Teil von Ihnen, dass Sie denken, Sie hätten sie schon ihr Leben lang gehört. Seine Musik ist trügerisch einfach, doch nicht simpel; kindlich, doch nicht kindisch; vertraut, doch nie nostalgisch. Der Schlüssel zu dieser Musik liegt in unerwartet variantenreichen, harmonischen Windungen, in rhythmischer Komplexität, die so nonchalant dargeboten wird, dass auch dann, wenn all dies der Wahrnehmung entginge, letztlich noch Lars Hollmers unfehlbares Ohr für Timbre und Klangfarbe zu konstatieren bliebe.“ Und Guy Klucevsec: "Lars ist ein unglaublich kreativer Komponist. Während wir hier sitzen und reden, hat er wahrscheinlich schon wieder 10 neue Stücke geschrieben. Es sprudelt einfach aus ihm heraus, wie eine Quelle.“

Maria Kalaniemi (39) gilt heute als Finnlands führende Akkordeonistin. Sie unterrichtet an der berühmten Sibelius Academy für Folk Music und zählt zu den Mitbegründern der neuen "finnischen Welle" in der Volksmusik des skandinavischen Landes. Sie hat das virtuose Spiel mit freien Bassläufen in die Folklore eingeführt und spielt u.a. in einer Band mit drei weiteren finnischen Akkordeonistinnen, den "Helsinki Melodeon Ladies". Von den übrigen Stammesmitgliedern des Accordion Tribe anfangs nur ängstlich bewundert, weil ihre Spieltechnik über jeden Verdacht erhaben ist.

Biographie Maria Kalaniemi
Maria wurde 1964 in Helsinki geboren. 1983 wird sie an der Sibelius Akademie aufgenommen, wo sie zum ersten Semester der neu gegründeten Folk-Musik Abteilung des Musikers und Professors Heikki Leitinen gehört. Sie spielt das schwierige fünfreihige Knopfakkordeon. Zur Ausbildung gehörte die Auseinandersetzung mit den traditionellen Volksmusiken Finnlands, Improvisation, Komposition und neben der Perfektion des eigenen Instrumentes lernte Maria Mandoline, Geige und Kantele zu spielen. Ausserdem absolvierte sie eine Gesangsausbildung. 1984 entstand die Gruppe "Niekku", fünf Frauen und ein Mann, alle Studenten der Sibelius Akademie. Inspiriert von dem innovativen Geist ihres Professors Leitinen begann Niekku mit der finnischen Volksmusik zu experimentieren. Bislang unbekannte Arrangements, Besetzungen und Spielweisen wurden ausprobiert und brachten der Formation bald den Ruf ein, die Anführer der "Neuen Finnischen Volksmusik“ zu sein. Drei CD‘s und viele Konzerte im In- und Ausland folgten. Maria führte das Free-Bass Spiel in die Volksmusik ein. Diese Technik wurde bisher nur für klassisches Akkordeon benützt und erlaubt es, mit der linken Hand nicht nur ganze Akkorde als Begleitung zu spielen, sondern wie rechts einzelne Töne zu wählen und damit eine (Kontra-) Melodie zu spielen. Dies ermöglichte eine unbegrenzte Vielzahl von neuen Möglichkeiten, deren Erforschung sich Maria seitdem verschrieben hat.
Maria: “Ich wollte eigentlich klassisches Akkordeon studieren, als ich mich an der Sibelius Akademie bewarb. Da wurde die Folk-Abteilung gerade eingerichtet. Viele Leute waren dagegen und meinten: Wie kann man nur Volksmusik an einer höheren Schule studieren, das ist doch ein Widerspruch! Ich aber entschied mich für das Studium, auch wegen Heikki Laitinen. Er war eine starke Persönlichkeit und entwickelte das Folk-Department nach seiner Überzeugung. Er hielt nichts davon, alte Trachten anzuziehen und museal-verstaubt die traditionellen Musiken des Landes zu pflegen. Er setzte sich dafür ein, dass wir während des Studiums die Tradition variierten und unsere eigene Musik entwickelten und spielten. Heikki spornte uns an, etwas Neues zu machen. Er sagte, dass Volksmusiker das gleiche Recht haben müssen, Grenzen zu überschreiten und neue Wege zu gehen wie andere Künstler. In anderen Bereichen, wie z.B. in der klassichen Musik, stellte das schon lange keiner mehr in Frage.”
Maria war mehrmals Preisträgerin finnischer Akkordeon-Festivals. Mit ihrer aktuellen Gruppe Aldargaz erhielten sie 1997 den "Prize of Finnland“ - bisher Klassischen-, Jazz- und Pop-Musikern vorbehalten. Solche Anerkennung durch Finnlands Musikindustrie zeigt, welch bedeutenden Beitrag Maria zur Wiederbelebung der finnischen Volksmusik geleistet hat. Maria hat zahlreiche Tourneen im In- und Ausland absolviert, mit wechselnden Formationen wie den "Helsinki Melodeon Ladies", "Aldargaz" und im Duo mit Heikki Leitinen. Die Kritik sagt über sie: "Ihre Einflüsse kommen zwar aus der Folklore und der Klassik, doch ihr Blick weist weit über festgelegte Stile hinweg. Technisch unglaublich brillant, ist sie auch eine erfindungsreiche Improvisatorin. Ihre Stücke werden von den Melodien getragen, und viele der Zuhörer/innen sind sich sicher, allein über diese Melodien zu fühlen, was Maria in ihren Stücken zum Ausdruck bringen möchte."

Bratko Bibic (46) aus Slowenien war in den 70er Jahren Mitglied der von den jugoslawischen Behörden mit stetem Argwohn beobachteten Kultband "Begnograd". Er spielte längere Zeit mit dem amerikanischen Cellisten Tom Cora in der Schweizer Band "Nimal ", ehe er seine Solokarriere begann. Bratko entlockt dem Balginstrument mitunter auch Töne, die man auf keiner Akademie der Welt lernen kann - Klänge wie Laute eines lebenden Organismus.

Biographie Bratko Bibic
Bratko Bibic, Jahrgang 57, hatte seinen ersten Auftritt mit 14 Jahren gleich vor 5000 Leuten, als er in Ljubljana mit seinem Mundharmonika-Quartett auf einem Festival auftrat. Seit über 20 Jahren spielt Bratko seither eine etwas andere Akkordeon-Musik. Mitte der 70er Jahre führte er mit der Gruppe "Begnograd" das Akkordeon – damals als Instrument beschränkt auf die Interpretation der traditionellen Volksmusik – in musikalisches Neuland jenseits von Folk, Jazz oder Rock. Heute gibt es Begriffe wie "World-Music“ oder "Fusion-Music“, um die damals ganz unbekannte Sythese so verschiedener Einflüsse zu bezeichnen. "Begnograd" wurde schnell zu einer Kultband, die erst in Slowenien und (Rest)Jugoslawien auftrat, später vor allem in ganz West-Europa. Die Band nahm mehrere Platten auf, komponierte Musik für Fernsehen, Radio und mehrere Filme. 1984 löste sich die Gruppe auf. In der Schweiz hatte "Begnograd" sehr oft gespielt, damals von Daniel Waldner, dem REC REC Besitzer in Zürich organisiert. Durch ihn lernte Bratko die Musiker kennen, mit denen er die nächsten 10 Jahre weiter arbeiten sollte: 1987 wurde Bratko Mitglied der Schweizer Formation "Nimal", bestehend aus den Ex-Débile Menthol Musikern Momo Rossel und J.V. Huguenin und den Amerikanern Tom Cora und Pippin Barnett. Ein Kritiker: "Einmal mehr eine Musik, die keinen Namen hat, da sie die Energie des Rock mit raffinierten Harmonien und vertrackten Rhythmen verbindet, die aber mit der gleichen Selbstverständlichkeit gespielt werden, wie in der östlichen Volksmusik.“ Nach ausgiebigen Tourneen mit Nimal beginnt Bratko 1991 seine Solokarriere. Die Akkordeonmusik von Bratko beschäftigt sich mit der breiten Skala unerschöpflicher musikalischer Gegner bis hin zu klanglichen Experimenten, die sich dem Instrument eröffnen.
Bratko: “Ich würde mich selber als Hörer bezeichnen, der Musik für Hörer macht. Wenn ich komponiere, setze ich mich mit den Gewohnheiten des Zuhörers auseinander. Dazu gehört zum Beispiel, dass der Klang des Akkordeons immer ganz bestimmten Musikstilen zugeordnet wird. Mich interessiert es, welche Erwartungen eine gewisse Art von Musik beim Zuhörer weckt. Wenn du eine bestimmte Melodie anstimmst, weisst du, dass der Zuhörer eine feste Vorstellung hat, wie sich das Lied entwickelt. Und dann gehe ich den anderen Weg. Das mache ich nicht bewusst, es ist einfach der Weg, der mich interessiert.“
Über seine erste Solo-CD schreibt die Presse: "Den Reigen ungewöhnlicher Rhytmen eröffnet Bratko Bibic – ein Spezialist für dunkelseitig formatierte (Alp)Träumereien – auf seinem Akkordeon. Einleitend schuf er aus der Schatzkammer des Unterbewussten ein tiefgreifendes Lied, das das Selbst und das Andere melodialogisieren lässt, bevor man aus dem Reich des Walzers schrittweise entführt wird – als spiele er einmal im Pariser Künstlerviertel Montmartre und dann wieder in einer slowenischen Grenzkneipe.“

Der blinde Wiener Musiker Otto Lechner (39) ist absoluter Autodidakt. Otto spielt seine eigenen Kompositionen, denen oft traditionelle Musik und Walzer zu Grunde liegen, kombiniert mit jazzigen, improvisierten Elementen. Einem grösseren Publikum wurde er erstmals als langjähriger Begleiter des österreichischen Kabarettisten Josef Hader bekannt. Er ist der führende Kopf mehrerer Bandprojekte wie "Otto´s Jazz Ensemble" und "Das Erste Wiener Strenge Kammerorchester". Mit seiner entspannten, von kauzigem Humor bestimmten Art ist er auf der Bühne zum Publikumsliebling des Accordion Tribe geworden.

Biographie Otto Lechner
Otto Lechner, geboren im Jahr des Drachen 1964, lebt in Wien. Er trat jahrelang mit dem Kabarettisten Josef Hader auf. Heute ist er der Initiator von zwei eigenen Formationen: "Otto‘s Jazz Ensemble Oh Je“ und "Das Erste Wiener Strenge Kammerorchester“. Er ist oft unterwegs, gibt Solokonzerte oder tritt im Duo mit Bratko Bibic auf. Die dieses Jahr begonnene Zusammenarbeit mit der Burgschauspielerin Anne Bennent soll im nächsten Jahr fortgesetzt werden. Otto hat die Bühnenmusik für eine Vielzahl von Theaterstücken komponiert, wobei er mitunter auch als Schauspieler mit von der Partie ist. Neuerdings widmet er sich auch der Komposition von Hörspielmusiken. Mit 15 verlor Otto sein Augenlicht vollständig. Er sagte einmal in einem Interview: "Ich bin blind, aber ich denke viel in Farben: grey and blue.“ Daraus wird sein Humor, der allen seinen Stücken innewohnt, schon deutlich. Seine Musik ist keine Tanzmusik und kann manchmal sehr melancholisch werden. Man nimmt es Otto ab, wenn er sagt, die Musik komme ganz tief aus seinem Inneren.
Otto: “Die Musik ist schon immer so eine Art Gegenwelt für mich gewesen zu dem wirklichen Leben. In der Musik bin ich halt nicht behindert und nicht mit den ganzen Schwierigkeiten konfrontiert. Deswegen habe ich keine Lust, mir da Stress zu machen. Ich lasse es einfach auf mich zukommen und übe und plane nichts gross. Es kommt sowieso jedes Mal anders, wenn ich spiele. Wenn man eine Behinderung hat, lernt man ziemlich schnell, dass man schauen muss, dass man sich möglichst viele angenehme Erlebnisse und Erfolge zukommen lässt, denn es sackt ja auf der andern Seite sowieso ganz schnell wieder ab. Es gibt so viele Sachen im Alltag, an denen du so jämmerlich scheiterst, dass du wirklich einen besonders grossen Bedarf an schönen Erlebnissen hast. Jede UBahn Fahrt kann ein Abenteuer sein, wo es vorkommen kann, dass ich wieder eine Dreiviertelstunde den Ausgang suche, und solche Sachen ziehen dir so viel Power ab. Die Musik ist da für mich wie eine Safari, eine Reise in den Dschungel, auf der viel Spannendes passiert, in die ich gut ausgerüstet und kräftig hineingehen kann, wo ich mich da Tarzan-mässig durchbewegen kann. Da brauche ich es im Gegensatz zum Alltag nicht, dass alles genau vorbereitet und geplant ist. Und da suche ich auch das Abenteuer, das ich im Alltag eher nicht so schätze. Meine Kompositionen sind oft nur ein Gerüst, von dem ich ausgehe um eine Inspiration zu haben. Das Wesentliche passiert dann beim Spielen.”
Pressestimmen: "Otto Lechners Kompositionen ist eigen, dass sie Themen nur etablieren, um sie gleich darauf und unmissverständlich wieder zu brechen. Elemente aus allen Stilrichtungen, die das Akkordeon kennt oder vorher nicht gekannt hat, türmen sich in seinen Liedern übereinander und stürzen wieder ein. Ob Lechner eine Art tibetanischen Obertongesang in der Manier von Keith Jarrett auf die Zieh-Töne legt, ob er das Akkordeon als Schlaginstrument einsetzt oder es auch nur auf den Boden legt und an ihm herumzieht und -drückt und -wippt, ob er Pink Floyd, Duke Ellington oder Dave Brubeck zitiert, ob seine Hand im französischen Musette-Stil über die Tasten fliegt, so tut er das jeweils, um orchestrale Dialoge zu erfinden: ganzkörperlich persönlich. In den einfachsten Fällen unterhalten sich die Bässe mit den Tasten, die hohen mit den tiefen Tönen. Und bloss in Kenntnis seiner multiplen Soli versteht man, warum Theaterleute sich um ihn reissen. Roland Koberg, Falter Otto Lechner schliesslich, der kleine Österreicher mit den launigen Ansagen und dem verlorengegangenen Augenlicht: Wie er aus jedem Ton ein Ereignis zu machen versteht, jede Begleitfigur bis zum Rand mit Leben erfüllt, wie sehr er aber auch jene Beiläufigkeit beherrscht, mit der das Halsbrecherische zum Kinderspiel wird, wie sehr schliesslich das Instrument tatsächlich sein Ausdrucksmittel ist: das erlebt man selbst unter guten Musikern nicht allzu häufig. Tom R. Schulz, Hamburger Morgenpost
You’ve probably heard jazz piano - but jazz piano accordion? Now you’re kidding me! Otto Lechner is an Austrian virtuoso who makes both his instrument and our hearts soar. His music and indeed the man himself, are warm, witty an sexy. Yes, an accordion can be sexy, I assure you. Kate Herbert, The Melbourne Times
Die Liga der aussergewöhnlichen AkkordeonistInnen! Was möglich ist, abseits von Klang-Klischees, zeigte das von Klucevsek zusammen-getrommelte (und allein schon technisch virtuose) Quintett. Eine Messe veritabler Akkordeon-Weltmusik also (...) Mal renovierte oder vorwärtsentwicklte Volksmusik von Maria Kalaniemi. Mal die Karikatur darauf von Otto Lechner. Mal ins Groteske gezogene Spurenelemente der Folklore bei Bratko Bibic, mal aus der Vergangenheit ins grelle Gegenwartslicht erhellte Stücke bei Lars Hollmer.
Südwestpresse

DIE MUSIK IM HANDEL
Die Presse verglich das andere Hörerlebnis mit dem Aufwachen aus einem musikalischen Dornröschenschlaf und feierte The Accordion Tribe 1996 als Live-Konzert des Jahres. Mit neuen Kompositionen zelebrieren die fünf Virtuosen ein Fest faszinierender Musik – mit nicht einem Akkordeon zuviel. Jeder dieser Musiker ist nicht nur für seine technischen Fertigkeiten, sondern auch für sein tiefes kompositorisches Verständnis bekannt - und natürlich für die unstillbare Abenteuerlust.

ACCORDION TRIBE (1998) SEA OF REEDS (2003)
Orientierte sich die erste Veröffentlichung ACCORDION TRIBE mit grossem Erfolg noch dezidiert am Live-Material der damaligen Tour 1996, so stellt das zweite Album "Sea of Reeds“ ein ausgemachtes Studio-Album (aufgenommen in Lars Hollmers berühmtem "Chicken House“ in Uppsala, Schweden) dar. Hier konnte The Tribe das ganze Spektrum der kompositorischen Einfälle und ihrer virtuosen Umsetzung ausloten und ausspielen. Herausgekommen ist ein Klangbogen (in wechselnden Besetzungen) der folkloristisch Volksliedhaftes ("Silvia’s Tongue“), Tangovariationen ("Tangocide“), Walzerabgesänge, nordisch ("Pas du valse“) umfasst. Trotz der bewusst unterschiedlichen Stile ist ein erstaunlich homogenes und dabei sehr reiches Album entstanden. Der ganze Kosmos des Akkordeons tut sich hier auf. Auf Tour ist sicher ein Erlebnis. Auf Platte am besten mit geschlossenen Augen geniessen, um in ferne Länder zu schweifen. Eine lebendige, verträumte Musik ohne Grenzen!

Alben der einzelnen MusikerInnen: (Auswahl)
â€â Well-Tampered Accordion – Guy Klucevsek (demnächst)
â€â The Heart of the Andes – Guy Klucevsek
â€â Tales from the Cryptic – Guy Klucevsek
â€â Polka Dots & Laser Beams – Guy Klucevsek
â€â Himmevoda – Otto Lechner
â€â 7th Heaven – Otto Lechner
â€â Hot Room – Otto Lechner
â€â Accordeonata/Solo – Otto Lechner
â€â Master Of Folk Accordion – Maria Kalaniemi
â€â Looping Home Orchestra Live (1992-93) – Lars Hollmer
â€â Sola – Lars Hollmer
â€â Utsikter – Lars Hollmer
â€â Zamlaranamma – Lars Hollmer
â€â Andetag – Lars Hollmer
â€â Bratko Bibic & the Madleys – Bratko Bibic