SYNOPSIS - maximage gmbh

HEIMATKLÄNGE Kino-Dokumentarfilm, CH/D 2007

Buch und Regie: Stefan Schwietert

Die menschliche Stimme als ureigene Heimat, traditionell und modern, ursprünglichster Ausdruck und wilde Freiheit... 
Vom Juchzen und andern Gesängen.

Was hat Babygeschrei mit dem Echo eines Jodlers im Gebirge gemeinsam, was der Kopfton eines tuvinischen Nomaden mit der Bühnenshow eines Vokalartisten? Die Antwort lautet: DIE STIMME. Auf dem Hintergrund trutziger Alp- und moderner Stadtlandschaften dringt „heimatklänge“ in die wundersamen Stimmwelten von drei exzeptionellen Schweizer Stimm-Artisten ein. Ihr Klangkosmos reicht weit über das hinaus, was wir als Gesang bezeichnen würden. Die Musiker sind Teil eines zukunftweisenden Aufbruchs der alpenländischen Vokalkunst. In ihren experimentierfreudigen Auseinandersetzungen mit heimischen und fremden Traditionen wird die Bergwelt mit ihren mächtigen Naturschauspielen ebenso zur Bühne, wie die Landschaften und Geräuschkulissen der modernen Lebenswelten.

STEFAN SCHWIETERTS MUSIKFILME, INSBESONDERE „HEIMATKLAENGE“
Er dreht Filme, die am Herz kitzeln, in die Füsse fahren und zum Träumen einladen: Seit Stefan Schwietert 1996 mit „A Tickle in the Heart“ der Durchbruch gelang, hat sich der in Basel geborene, aber seit etlichen Jahren in Berlin wohnende Filmemacher dem Musikfilm verschrieben. Seine Filme, vor allem die für die Leinwand gedrehten wie „A Tickle in the Heart“ (1996), „El accordeón del diablo“ (2000), „Das Alphorn“ (2003), „Accordion Tribe“ (2004) und nun auch „heimatklänge“ (2007), sind von verführerischer Bildlichkeit und betörender Musikalität. Geprägt von ihres Regisseurs unvoreingenommener Weltoffenheit führen sie weit über das hinaus, was man gemeinhin als „Musikdoku“ bezeichnet und werden gerade da, wo sich Schwietert mit dem scheinbar Vertrauten und Heimatlichen beschäftigt zu aufregenden Entdeckungsreisen. Diese führen von verschwindenden Traditionen und anbrechendem Neuen zeugend nicht selten in die Vergangenheit und Zukunft zugleich. Ganz besonders gilt dies für die drei um die Musik der Alpen kreisenden Filme, in denen Schwietert ausgehend von einem Instrument die Geschichte der damit gespielten Musik und deren Kultur nachzeichnet. Ausgangspunkt dieser Filme ist die Beobachtung, dass sich die traditionelle Musik der Alpen in den letzten Jahren dank dem Einfluss einer „jungen“ Generation gut ausgebildeter Musiker, welche die heimische Folklore nach eigenem Gutdünken frei adaptiert, in einer eigentlichen Aufbruchphase befindet. Nachdem sich Schwietert vor drei Jahren mit dem Alphorn, ein Jahr später dann mit dem Akkordeon beschäftigte, setzt er sich in „heimatklänge“ nun mit dem urtümlichsten aller Instrumente, der menschlichen Stimme auseinander. Er kommt dabei den Ursprüngen der Musik und des Menschlichen Seins nahe wie in keinem seiner Filme davor. Wie in seinen früheren Filmen blättert Schwietert in „heimatklänge“ das Thema seines Films vom persönlichen Werden, Erleben und Schaffen seiner Protagonisten ausgehend auf. Stellt ihr Werken und Wirken in Korrelation zu ihren Lebenswelten und der sie umgebenden Landschaften. Verarbeitet in rein assoziativer Montage Bild, Ton und Text. Vermischt unangestrengt Foundfootage-Materialien, wie Fotos und Familienfilme mit neu Gedrehtem und scheut dabei nicht die Sichtbarkeit der Inszenierung des Dokumentarischen. „heimatklänge“ ist eine abenteuerliche Reise in reizvoll-ungewohnte Klangwelten, in denen Menschen in der Entdeckung ihrer ureigenen Stimme eine nie geahnte Freiheit erleben.

DIE NEUE ALPENLÄNDISCHE MUSIK
Die alpenländische Volksmusik übt schon seit der Zeit der Romantik einen besonderen Reiz auf ihre Zuhörer aus; vielerorts steht sie sogar exemplarisch für schweizerische, österreichische, deutsche oder gar mitteleuropäische Musik. Diese Faszination hat der alpenländischen Tradition zwar vermutlich das Überleben gesichert, macht es ihr aber nicht einfach, eine natürliche, sich lebendig weiter entwickelnde Form zu erhalten. 

So erscheint sie einerseits als dirndelrockschwingende, zahnpastalächelnde Volkstümelei, auf der anderen Seite wird sie, schon als Reaktion auf diese Show-Folklore, von gutmeinenden Volksmusikpflegern wie ein Museumsstück konserviert. Dadurch ist es auch in einer scheinbar so traditionsträchtigen Landschaft wie dem Alpengebiet eher ein Glücksfall, auf authentische, das heisst lebendige und veränderbare Musik zu stossen.

Ein gutes Beispiel dafür ist das Jodeln, seit jeher die herausragendste Ausdrucksform der Alpenbewohner. Heute meist in seiner harmlosen, domestizierten Form bekannt, basiert dieses textlose Singen mit fortwährendem Registerwechsel vom Brust- zum Kopfton in seiner urtümlich archaischen Form auf anderen Skalen und Leitern, als unserem gewohnten Dur oder Moll. Diese wilden Naturjuchzer, -jützli oder Zäuerli, wie sie im Appenzell genannt werden, üben auf den Zuhörer einen ganz eigenen Reiz aus. Wir sind von der „wohltemperierten“ Stimmung, die seit dem 18. Jahrhundert fast die ganze Musikwelt beherrscht, derart „verbildet“, dass uns das Gespür für andere Skalen, abhanden gekommen ist und uns diese „unreinen“ Töne abwechselnd als faszinierend, exotisch oder falsch vorkommen.

Musikliebhaber aus den Städten gehörten zu den ersten, die schon in den frühen 70er Jahren alte Tanzmusikanten auf die Folklorebühne holten und beispielsweise auf dem Lenzburger Folkfestival demonstrierten, dass gerade die etwas derbe Musik der Wirtshäuser und Tanzböden eine Kraft und eine Ausstrahlung besitzt, die sich vor irischen Jigs und Reels nicht verstecken muss. Diese Erkenntnis blieb allerdings auf einen kleinen Kreis von Folkmusikliebhabern beschränkt, die grosse Mehrheit vor allem der jüngeren Generation konnte mit einer Volksmusik, die sich entweder weiter als kommerzielle Heile-Welt-Veranstaltung oder aber als leblose Traditionspflege nach starren Regeln präsentierte, nichts anfangen. 

Seit gut einem Jahrzehnt finden in der alpenländischen Volksmusik nun Veränderungen statt, die weit über den kleinen Kreis von Eingeweihten hinaus in breiten Teilen der Bevölkerung Aufmerksamkeit und Anklang finden. 

Eine „junge“ Generation von Musikern, die sich ihre Sporen bisher fernab der Alpenmusik in Jazz-, oder Avantgarde-Kreisen verdienten, hat sich der traditionellen Musik ihrer Heimatländer zugewandt. Sie haben in Vergessenheit geratenes Kulturgut wieder hervorgeholt und die anarchische Kraft, Wildheit und Unmittelbarkeit der alten Naturtonreihen einem jungen Publikum bekannt gemacht. 
Die Musiker interpretieren und verändern die heimische Folklore nach ihrem eigenen Gutdünken und haben sie damit aus ihrer musealen Starre befreit. Sie haben ihre anderweitig gesammelten Kenntnisse und Einflüsse in die Alpenmusik eingebracht und diese wieder einem stetig anhaltenden Prozess der Veränderung und Erneuerung unterworfen. Ihre Musik ist so unterschiedlich und vielfältig wie die Zahl ihrer Interpreten, gemeinsam sind ihnen allein die Wurzeln aus denen sie schöpfen. Inzwischen haben internationale Jazzfestivals („Gipfel du Jazz“ in Freiburg i.Br., maerzmusik 2007 in Berlin),  dieses Phänomen erkannt und den Interpreten ganze Reihen und Themenschwerpunkte gewidmet.

PROTAGONISTEN ZUR MUSIK

Christian Zehnder
Was für mich als Musiker eminent wichtig ist, ist die Frage nach dem “woher komme ich”. Aus was schöpfe ich? Je weiter ich zurückgehen kann, je verwurzelter das ist, desto mehr Kraft kann das kriegen, desto stärker werde ich im künstlerischen Ausdruck.


Erika Stucky

Ich nehme an, der Mensch hat irgendwann mal Lust gehabt beim Reden, den Genuss noch zu verlängern… Wenn du anfängst, dein Herz auszubreiten, dann wird der Ton länger. Du wirst nicht knapper, wenn du Emotionen hast.

Noldi Alder

Das Allerschönste an der ganzen Sache ist, wenn man singen kann, ohne dass man sich an etwas anlehnen muss. Wir können so frei sein. Wenn wir wüssten, wie frei wir sein könnten, würden wir zerplatzen.